Die SSB Kreisgruppe Soest
Traditionell gehörten die Schützengemeinschaften an
Möhne und Lippe dem Verband der Historischen Deutschen
Schützenbruderschaften mit Sitz in Leverkusen an. Es
entwickelte sich jedoch kein ausgeprägter Kontakt zur
Verbandspitze. Die Schützen fühlten sich in ihrer
Arbeit nicht unterstützt. So tauchte bei den Bruderschaften
längs der Möhne der Gedanke auf, durch Gespräche
mit dem vor Ort beheimateten Sauerländer Schützenbund
(SSB), die Fragen einer intensiveren Zusammenarbeit zu
besprechen. Initiator war dabei der Oberst der
Schützenbruderschaft Körbecke, Dr. Heribert Egen. Aus
den gleichen Gründen hatte sich die
Schützenbruderschaft St. Hubertus Niederense bereits 1960
als einzelne Vereinigung dem Kreisschützenbund Arnsberg im
Sauerländer Schützenbund angeschlossen. Am 20. August
1970 fand ein Gespräch zwischen den Obersten Dr. Egen,
Mertin-Pieper und dem Vorstand des Sauerländer
Schützenbundes statt. Das Ergebnis war positiv. Und so
wurde bereits am 12. Januar 1971 auf einer Vorstandssitzung der
Möhne-Bruderschaften einstimmig der Beitritt zum SSB
beschlossen. Dieser neugegründeten Kreisgruppe (die
Organisation des SSB beruht auf der Basis von Kreisgruppen vor
der kommunalen Neugliederung) trat die Bruderschaft Niederense,
auf Betreiben des Vorstandsmitgliedes Friedel Junker am 23.
August 1971 bei. Kreisoberst wurde Dr. Heribert Egen,
Geschäftsführer Schützenbruder Flori,
Körbecke. Damit gehörten der Kreisgruppe 11
Bruderschaften an. Das erste Kreisschützenfest wurde in
Körbecke gefeiert, das nächste in Delecke.
Hierfür gilt ein 3-Jahres-Rhythmus, nämlich
Kreisschützenfest - Bundesschützenfest -
Schützentreff (interne Bildungsveranstaltung).
Um auch den kleineren Bruderschaften die Durchführung eines
Kreisschützenfestes zu ermöglichen, wurde 1974
überlegt, ein Festzelt für die Kreisgruppe
anzuschaffen. Diese Vorhaben liess man jedoch wieder fallen.
Jährlich treffen sich die Bruderschaften ausserdem zweimal
zu Delegiertenversammlungen an wechselnden Orten im
Frühjahr und Herbst. 1977 wurde der Kreisvorstand neu
gewählt und durch Zuwahl eines Stellvertretenden
Kreisobersten ergänzt. Kreisoberst und
Geschäftsführer wurden wiedergewählt,
Stellvertretender Kreisoberst wurde Friedel Junker von der
Schützenbruderschaft St. Hubertus Niederense. Mit der Wahl
eines neuen Geschäftsführers im Jahre 1979
hatte die Kreisgruppe kein
Glück, der zunächst Gewählte trat sein
Amt erst gar nicht an, der Nachfolger übte sein Amt nur ein
Jahr aus, als Dritter wurde Schützenbruder Josef
Hillebrand, Körbecke, gewählt der das Amt dann bis
1991 innehatte. Als sein Nachfolger wurde Schützenbruder
Klaus Lenze, Niederense, gewählt. Josef Hillebrand wurde
zum Dank für seine Verdienste mit dem "Orden für
besondere Verdienste" ausgezeichnet. Die
Schützenbruderschaft Niederense war im Laufe der Jahre
viermal Gastgeber für Veranstaltungen der Kreisgruppe: 1979
mit dem Kreisschützenfest, 1991 sowohl mit der
Delegiertenversammlung als auch einem weiteren
Kreisschützenfest, schliesslich 1996 mit der Feier zum
25-jährigen Bestehen der Kreisgruppe. Darüber wird
später noch berichtet. Beim Kreisschützenfest 1991 war
die Kreisgruppe durch Beitritt von 6 Bruderschaften aus dem
Lippetal auf 17 Vereinigungen angewachsen. Zu diesem Fest kamen
nicht nur alle 17 Bruderschaften der Kreisgruppe nach
Niederense, sondern als Gastvereine auch alle Bruderschaften der
Grossgemeinde Ense: Bremen, Höingen
Hünningen-Lüttringen, Oberense, Sieveringen und
Waltringen. Insgesamt mehr als 1000 Schützen feierten ein
ebenso stimmungsvolles wie geselliges Fest. Die
Schützenbruderschaft Niederense hatte auch noch das
Glück, dass ihr König, Schützenbruder Dirk
Obermeier mit dem 145. Schuss Kreiskönig wurde. Er
erwählte sich Tatjana Orth aus Höingen zu seiner
Königin. Die Gastkönige mussten zum
Ehrenscheibenschiessen antreten. Hier siegte der
Schützenkönig Ulli Westhoff aus Oberense. Der
Wortgottesdienst, ein kilometerlanger Festzug, Parade, Festreden
usw. waren die weiteren Höhepunkte des Festes. Die Reihe
der Ehrengäste die Kreisoberst August Möllenhoff in
Niederense begrüsste war lang: den Kreispräses Alfons
Dicke, die Pfarrer Josef Dohmann, Franz Forsthaus und Roland
Lichterfeld, den Präsidenten der Europäischen
Gemeinschaft der Schützen (EGS), ihren Stellv.
Präsidenten Albert Lanclast (beide aus Eupen Belgien),
ihren Vizepräsidenten Wilhelm Haake und
Regionalsekretär Josef Schmidt, die stellv. Bundesobersten
des SSB Bernd Hellwich, Konrad Thiemeyer und Friedel Ruthenberg,
sowie Bundesgeschäftsführer Peter Hengesbach,
Landrätin Karin Sander, MdL Eckhard Uhlenberg,
Bürgermeister Clemens Tillmann, stellv.
Bürgermeisterin Doris Keyselitz, den Beigeordneten
Friedhelm Böhmer, sowie die Vertreter der Niederenser
Ortsvereine.
In ihren Ansprachen stellten die Festredner die Bedeutung
des Schützenwesens für die heutige Zeit heraus. Erinnert
wurde aber auch an die Geschichte der Bruderschaften.
Kreisoberst August Möllenhoff sagte:
"Aus alter Wurzel neue Kraft für Glaube, Sitte,
Heimat. Dieser Spruch hat auch eine alte Bedeutung. Brauchen wir
doch in diesen Tagen, in denen Zeitgeschehen und
weltgeschichtliche Ereignisse sich einander den Rang ablaufen,
Markierungspunkte, um nicht von den rasanten Abläufen
überrollt zu werden. Die von den Schützen selbst
gelegte "Messlatte", sprich Glaube-Sitte-Heimat, ist
uns immer wieder Verpflichtung, einander beizustehen und zu
helfen, damit diese hohen Ziele nicht unterlaufen werden. Tragen
wir Sorge dafür, dass der Mensch stets Mittelpunkt
und nicht Opfer der Ereignisse ist.ö
Der Präsident der EGS Kurt Ortmann:
"Immer wieder gibt es erneut Werte des Lebens, der
Gesellschaft, der Politik und des Glaubens zu schützen. Da
gibt es den Gedanken vom geeinten Europa. Der darf nicht in
Vergessenheit geraten, sondern muss wachgehalten und
gefördert werden. Schützen der europäischen
Länder wollen gemeinsam ein friedliches Europa bauen und
schützen helfen. Um diese grossen Gegenwartsaufgaben zu
bewältigen, haben wir einen Geist der Kraft, und des
besonnenen Ernstes von Gott zugesagt bekommen. Wer
Schützenbruder ist, weiss damit auch zu schützen.
Unsere Arbeit kann nur gelingen, wenn die Basis gesund ist. Was
nützt ein Dach, wenn es in den Etagen brennt?"
Bezirkspräses Alfons Dicke: "Die grosse Zahl der
anwesenden Schützen bei diesem Fest ermutigt zur Hoffnung,
dass ein Stückchen Welt verändert werden kann. Das war
seit Gründung der Bruderschaften auch ihre Grundbedeutung.
Hab und Gut und das Leben der Menschen zu schützen gegen
Überfälle von aussen. Schützenbruderschaften
boten Gewähr und Sicherheit durch vielfältige Sozial-
und Hilfsdienste, Krankenversorgung, Pestbruderschaften, die
sich den Ärmsten der Armen, den Todgeweihten und vielfach
ausserhalb des Gemeinwesens untergebrachten Menschen widmeten
und ihnen zu Dienst standen. Einfach gesagt, das in Gefahr
geratene Leben schützen."
Brudermeister Friedel Junker: "Es ist uns eine Genugtuung,
Ihnen unseren Dienst als Gastgeber anzubieten, dem Fest so einen
Rahmen zu geben, der Ihre Erwartungen erfüllt und die
Voraussetzung dafür schafft, das dieser Tag der Begegnung
der grossen Schützenfamilie gelingt. Isolation führt
zu Resignation. Wir Schützen sind Gegner aller Resignation,
darum bemühen wir uns in unseren Bruderschaften um
Freundschaft und Brüderlichkeit. Darum richten wir unseren
Blick auf die Mitmenschen, die noch abseits stehen und der
Integration bedürfen, darum versuchen wir den Behinderten
und Schwachen unter uns zu helfen. Sorgen wir heute dafür,
das unser Fest uns einander näherbringt. Gehen wir auf
einander zu lasst uns wahr machen, das wir
Schützenbrüder sind und brüderlich
miteinander umgehen."
Unter dem Motto "Hilfe für Behinderte" stand die
Hutsammlung des Festes. Sie erbrachte 2100 DM für die
Kindertagesstätte in Hultrop.
Auf der Delegiertenversammlung im März 1996 stellte sich
Friedel Junker nicht mehr zur Wahl. Für seine geleistete
Arbeit zollte ihm der Kreisoberst August Möllenhoff Respekt
und würdigte ihn als einen der drei
Gründungsväter der Kreisgruppe Soest Für sein
jahrzehntelanges Engagement im Kreisschützenbund Soest, so
wie auch für sein Engagement im Bundesvorstand
überreicht August Möllenhoff Friedel Junker ein
Buchgeschenk, denn der vom SSB zu vergebenden Orden hatte er in
den vergangenen Jahrzehnten bereits erhalten. Friedel Junker
dankte allen Schützen und erklärte den Anwesenden,
dass es für ihm immer ein besonderes Erlebnis war, das
freundschaftliche Miteinander in den Bruderschaften der
Kreisgruppe Soest im SSB zu erleben. Er bedankt sich bei allen
Schützenbrüdern für die erfahrene
Unterstützung.

Danach schlägt Kreisoberst August Möllenhoff als
Stellvertretern Kreisoberst Franz Josef Kemper von der
Schützenbruderschaft St. Luzia Echtrop vor. Als
nachrückender Beisitzer für Franz Josef Kemper
schlägt er den Brudermeister der St. Hubertus
Schützenbruderschaft Hewingsen, Franz Tunecke, vor. Beide
werden gewählt. Der Kreisschiessmeister Hans
Dümpelmann wünscht sich, wie auch der Vorstand der
Kreisgruppe, mehr Resonanz für den Schiesssport. Daher
sollen Ehrungen der einzelnen Sport- und Hobbydisziplinen auf
die jeweiligen Schützenfeste verlegtwerden,
an denen die Sieger mitfeiern. Die Kreisgruppe Soest feierte
am 11.05.1996 in der Niederenser Hubertushalle ihr 25jähriges Jubiläum. Kreisgeschäftsführer
Klaus Lenze, zugleich auch stellvertretender Brudermeister der
St. Hubertus Schützen, begrüsste die 17
Bruderschaften. Nach der Eucharestiefeier zogen die Abordnungen
in die Hubertushalle. Alsdann folgte die Begrüssung durch
Kreisoberst August Möllenhoff. Als Ehrengäste wurden
die ehemaligen Kreiskönige, der amtierende König
Bernhard Schröder, der CDU Landtagsabgeordnete Eckhard
Uhlenberg, Bürgermeister Clemens Tillmann, der Landrat des
Kreises Soest Wilhelm Riebniger sowie die Gemeindedirektoren aus
Ense und Lippetal genannt. Die hervorragende musikalische
Untermalung besorgten der Spielmannszug Niederense und der
Musikverein Höingen. Das anschliessende Grusswort des
Stellvertretenden Bundesobersten Bernd Hellwig, vom SSB, stimmte
die Gäste in der gefüllten Niederenser Hubertushalle
ein wenig nachdenklich. Er ging auf die gegenwärtige
Bedeutung der Schützenvereine und Bruderschaften ein. Es
klangen Erinnerungen an die Vergangenheit an, in der es nicht so
viel Orientierungslosigkeit wie heute gegeben habe. Gleichzeitig
betonte er aber auch, dass die Schützenbruderschaft der
Verein der Vereine sei, ein aktives Handeln sei gefragt, um auch
in Zukunft Menschen zusammenzuführen zu können. Zum
unterhaltsamen Teil des Jubiläumsabends war der
Auftritt des Bauchredners "Lilly & Ette" ein erhebender
Glanzpunkt. Der zuvor in den Ansprachen betonte soziale Auftrag
der Schützen wurde von den Teilnehmern mit einer Spende von
800 DM für die Kindertagesstätte Hultrop
unter Beweis gestellt. Der Vorstand der Kreisgruppe
Soest im SSB bestand im Jahre 1997 aus folgenden Personen:
Kreisoberst August Möllenhoff, Geschäftsführer Klaus Lenze, Kreisschiessmeister Bernhard Linnhoff, Beisitzer Peter Ariann, BeisitzerFranz Tunecke.