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¬ Die Frühgeschichte...

In Deutschland entstanden die ersten Schützengilden, Schützengesellschaften oder Schützenbruderschaften im 11. Jahrhundert in den mittelalterlichen Städten. Damals schloss man sich nicht wegen der Feiern und Feste zusammen, sondern man bildete Notgemeinschaften, um Haus und Hof zu schützen. Das Schützenwesen war gleichzeitig aber auch eine Bekundung der Wehrkraft. Die so genannte Landwehr wurde durch den jeweiligen Souverän beaufsichtigt und im Gebrauch der Armbrust, später in der Handhabung der Feuerrohre und Büchsen ausgebildet. Auch als die Bauern im Lehnswesen unter den Schutz von Kirche und Adel kamen, mussten sie sich doch gegen räuberische überfälle und Verbrechen in Selbsthilfe behaupten.
Echte Schützengesellschaften bestehen seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Von Flandern ausgehend (Teile Frankreichs, Belgiens und der Niederlande) breitete sich das Schützenwesen im 14. und 15. Jahrhundert in Mitteleuropa aus und existiert seit diesem Zeitpunkt nachweislich auch im westfälischen Raum. über sonstige Aufgaben ist aus dieser Zeit nur sehr wenig bekannt. Weil in Kriegszeiten (z.B. durch Napoleon) Statuten und Namensverzeichnisse der Bruderschaften von Freund und Feind als Rekrutierungslisten verwendet wurden, verbrannte man restlos alle Unterlagen. Im 13. und 14. Jahrhundert blühte das Städtewesen auf und verbunden damit war der Aufstieg des Bürgertums. Es ist charakteristisch für diese Zeit, dass der ritterliche Nahkampf immer mehr an Bedeutung verlor und man zunehmend zu einem verstärkten Gebrauch von Schusswaffen überging. Die Städte lösten sich allmählich von ihren Stadtherren und steuerten ein kulturelles Eigenleben an. Das selbstbewusste Bürgertum stellte dabei den ritterlichen Turnieren ein eigenes Wettspiel, den Schiess Wettkampf, zur Seite. Das Schützenfest war damit geboren. Man bezeichnete damals diese volkstümlichen Wettkämpfe auch als Turniere der Bürger oder des kleinen Mannes.
Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass es zwei Theorien gibt, die zu belegen vermögen, welche Motive zur Gründung der ersten Schützengesellschaften geführt haben. Gemeint sind Motivationen wie Schutz von Haus und Hof sowie Körperertüchtigung im Wettstreit. Man schoss auf einen Vogel, womit der alte Vogelschusskult wieder auflebte. Schon die alten Griechen waren diesem Kult verbunden. Viele künstlerische Kleinodien mit dem abgebildeten Papagei oder einem anderen gefiederten Tier, sind heute noch in den Museen zu finden. An die Stelle des Papageis trat später der Holzvogel. Nach den Freiheitskriegen wurde der noch heute übliche Adler mit Krone, Zepter und Reichsapfel modern. Diese Schützengemeinschaften, die sich auf eine Tradition berufen können, erwuchsen aus echtem Bürgersinn und dem Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl.
Die wehrhaften Männer schlossen sich im Mittelalter neben den Zünften zusammen, um in den Zeiten der Not ihre Städte und deren Bürger vor dem Untergang zu bewahren. Dass man ihnen grosse Bedeutung beimass, lässt sich an der Unterstützung nachvollziehen, die sie jahrhundertelang von der Obrigkeit erhielten. Die ursprüngliche Aufgabe der Schützentage war die Musterung der wehrfähigen Bürger, die vor den Toren der Stadt ihre Waffen überprüfen liessen und danach Proben ihrer Schiessfähigkeit ablegen mussten. Ungefähr 1650, nachdem auch andere Gemeinden eines Kirchspiels Schützenbruderschaften hatten, wurden auch die ersten Feste gefeiert. Es gab aber immer wieder Zeiten, in denen keine Feste stattfanden, weil Krieg oder Seuchen die Bevölkerung heimsuchten. Die oft grossen Lücken in der Reihe der noch vorhandenen Plaketten geben Zeugnis davon. An der Wende vom 18. zum 19. Jh. setzten die Entwicklungen ein, die unser gegenwärtiges Leben bestimmen und die damalige Welt von Grund auf veränderten. Durch die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege waren die alten Ordnungen zerbrochen.
Das Herzogtum Westfalen, das Kurkölnische Sauerland, wurde auf dem Wiener Kongress 1815 dem Königreich Preussen zugeschlagen. Das gesamte südliche Westfalen wurde ohne Rücksicht auf die historische Entwicklung zum neugeschaffenen Regierungsbezirk Arnsberg zusammengefasst. Dies bewirkte, dass sich im Laufe des 19. Jahrhundert das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerung in neuer Weise auszurichten begann. Im kirchlichen Bereich erfolgte durch die päpstliche Bulle "De salute Animarum" 1821 die Abtrennung des Sauerlandes und des Hellweges vom Erzbistum Köln und dessen Eingliederung in das Bistum Paderborn.
Die Schützenvereine waren zunächst lockere Zusammenschlüsse. Sie stellten eigentlich Organisationskomitees zur Sicherung der Durchführung eines zu feiernden Schützenfestes dar. Bei diesem Fest, so war jedenfalls die Vorstellung, sollten alle Bürger eines Ortes zu einem harmonischen Fest zusammenkommen und zwanglos miteinander sprechen. Keiner sollte ausgeschlossen werden. In den ersten Satzungen dieser Zeit wird ausdrücklich erklärt, dass auch auswärtige Personen Mitglieder werden können. Das Schützenfest galt als Volksfest allgemein. Der Wunsch der Bevölkerung muss in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sehr gross gewesen sein. Die Menschen hatten offensichtlich durch die vielen Kriege und die Hungersnot einen Nachholbedarf. Ein Zeichen dafür ist die Tatsache, dass in dieser Zeit viele Schützenvereine gegründet wurden.
Im Jahre 1842 erging vom Regierungspräsidenten die Anordnung, dass die neuen Schützenvereine nicht länger als zwei Tage feiern durften, Sonntag und Montag, da sonst die Schützen zu lange von ihrer Arbeit abgehalten würden. Am Sonnabend durfte nicht gefeiert werden, um den Gläubigen den Kirchgang am Sonntag zu ermöglichen. Eine Neugründung der Schützenvereine begann nach dem ersten Weltkrieg. Die folgenden Jahre werden als Blütezeit des deutschen Vereinsleben bezeichnet. Dieses macht die Umschichtung der Bevölkerung, das Wachstum der Orte durch die Industrie und Neubaugebiete möglich. Für die weitere Entwicklung der Schützenvereine war es wichtig, dass durch das Sportschiessen ein ganz neuer Akzent in die Schützenbewegung kam.
Ein Zusammenschluss aller Schützenvereine im Sauerland erfolgte ab 1923. Den Anfang im Sauerland machte der Olper Raum, der am 8. Juli 1923 den Kreis Olpe in einen Schützenbund münden liess und der von Anfang an bemüht war, einen Zusammenschluss des ganzen Sauerlandes zu erwirken. Der Bund hat den Zweck, den Zusammenschluss sämtlicher Schützengesellschaften des ehemaligen kurkölnischen Sauerlandes anzustreben. Parallel zu diesen Aktivitäten im sauerländischen Raum kam es zu Vereinigungsbemühungen, die vom Rheinland ausgingen. Am 27. Februar 1927 traten in Köln die Delegierten von 300, zumeist rheinischen, Schützenbruderschaften zusammen und gründeten die Erzbruderschaft zum Hl. Sebastian. Sie war betont christlich ausgerichtet und suchte eine enge Beziehung mit der Katholischen Kirche. Bereits am 1. Juli 1928 kam es zum ersten Schützentreffen dieses Bundes in Köln mit 10000 bis 15000 Schützen. Diese Erzbruderschaft entfaltete auch eine recht aktive Werbetätigkeit im Sauerland und am Hellweg, so dass sich einige Bruderschaften und Vereine aus diesem Raum diesem Verband anschlossen. Der Schützenbund für das Kurkölnische Sauerland lehnte sich mit seiner heimatpflegerischen Zielsetzung an den "Westfälischen Heimatbund" an. Am 10. März 1936 wurden die Schützenvereine, die der Erzbruderschaft in Köln angehörten, von den Machthabern des Dritten Reiches aufgelöst. Die Sauerländer Schützen blieben zunächst von diesem Verbot unberührt. Am 15. April 1936 wurde die Satzung des deutschen Schützenverbandes im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen erlassen, die am 1. Januar 1937 in Kraft trat. In dieser Satzung heisst es:
Zweck des Verbandes ist:
- Pflege des Schiessens, des Schiesssportes und des Schützenwesens im Dienste der allgemeinen Ziele des Staates und im Sinne der vom Reichssportführer geleiteten deutschen Sportbewegung,
- leibliche und charakterliche Erziehung seiner Mitglieder und Pflege des Volksbewusstseins im Geiste des national sozialistischen Staates.
Der Sauerländer Schützenbund versuchte sich als Verband von Heimatvereinen zu interpretieren, um damit einer Einverleibung zu entgehen. Doch dieser Versuch blieb erfolglos. Am 8. Dezember 1936 musste die Eingliederung in den Reichsbund von den Schützen vollzogen werden. Es wurde mit dem Gau Schützenführer vereinbart, dass die Schützen des Sauerlandes weiterhin im heimatpflegerischen Sinne tätig werden und dafür Sorge tragen, dass sämtliche Schützenvereine einen Wart für Heimat und Brauchtum ernennen. Nach dem Ende des Krieges wurden alle Schützenvereine gemäss Artikel III des Gesetzes Nr. 8 von den alliierten Besatzungsmächten verboten und aufgelöst weil sie zu den Vereinen gerechnet wurden, die eine militärische Tradition verfolgen. Deshalb wurde auch das Vermögen der Schützenvereine (Grundstücke und Gebäude) beschlagnahmt.
Bereits 1946 hatte die Militärregierung die Wiedererrichtung von Diözesanverbänden der Schützenbruderschaften im Rheinland und Westfalen zugelassen. Die Vereine, die sich diesem Verbundsystem anschlossen, galten als kirchliche Institutionen und konnten ihr Vereinsleben unbehelligt wieder aufnehmen. Auch dem Westfälischen Heimatbund war es wieder erlaubt, sein Vereinsleben wieder aufzunehmen. Das Vermögen dieser Verbände musste auf Antrag von der Besatzungsmacht freigegeben werden. Jahrelang waren die Schützen gespalten. Einige Verbände traten dem Westfälischen Heimatbund bei, andere schlossen sich als kirchliche Bruderschaft dem Diözesanverband Paderborn, der Erzbruderschaft vom Hl. Sebastian oder dem Bund der historischen Schützenbruderschaften im Rheinland und in Westfalen an.
Schützenbruderschaft Oberense - Niederense
Etwa 1525 sind die ersten Schützenbruderschaften in unserer engeren Heimat, dem Kirchspiel Bremen, gegründet worden. Alle Gemeinden der heutigen Grossgemeinde Ense, ausser Sieveringen, gehörten dazu. In den Unglücksjahren 1806/07-1820 Besatzung durch die Franzosen und die sich anschliessenden Freiheitskriege hat hier wohl niemand an Schützenfest gedacht. Erst 1824 wurde die Schützenbruderschaft Oberense gegründet. Der Verein führte den Namen:
Schützenbruderschaft Oberense unter dem Schutze des Hl. Johannes des Täufers Daraus geht hervor, dass eine enge Verbindung zur Kirchengemeinde Bremen bestand.Warum kam es nun 1824 in Oberense zur Gründung einer Schützenbruderschaft? Dazu könnte man folgende überlegungen anstellen:
Im gesamten Kirchspiel Bremen gab es um 1800 nur eine Schule. 1804 wurde die Volksschule in Oberense für die Gemeinden Oberense, Volbringen, Bittingen, Bilme und Niederense eingerichtet. Diese Schule brannte 1812 ab und der Unterricht musste zwei Jahre lang in der Rochus Kapelle und im Hause des Landwirtes Grae (heute Asshoff) erteilt werden. Das jetzige Schulgebäude wurde 1814 errichtet. 1816 ging die hessische Regierungszeit zu Ende. Westfalen und damit auch Oberense kamzu Preussen. Als preussischer Beamter und Steuereinnehmer wurde der Oberschultheiss Gockel eingesetzt. Man geht kaum fehl in der Annahme, dass die Initiative ur Gründung der Schützenbruderschaft von ihm und dem Lehrer ausging. Er wurde 1824 der erste Schützenbruder und der Lehrer Rendant der Bruderschaft. Am Gründungstag traten der Schützenbruderschaft 77 Mitglieder aus dem gesamten Kirchspiel Bremen bei. Zu ihnen zählten auch die Geistlichen. In den folgenden Jahren wurden die Statuten je nach den Bedürfnissen und der Zeitlage ergänzt. Während des 1. Weltkrieges fanden keine Schützenfeste statt. In Anbetracht der verwirrten Lage wurde 1919 beschlossen, vorläufig von einer Feier des Schützenfestes abzusehen. Erst 1921 wurde das erste Schützenfest nach dem Krieg gefeiert. Es wurde auch für die Schützenbruderschaft ein besonderes Jahr. Ein Augenzeuge berichtet:
Es kam das Jahr 1921, in dem das erste Schützenfest nach dem Weltkrieg stattfand. Es wurde auch das Jahr, in dem sich die Niederenser Schützen von den Oberensern trennten. Nach meiner Erinnerung schoss Josef Scheferhoff aus Volbringen den grössten Teil des Vogels herunter. Jedoch blieb ein Stück, so gross wie eine kleine Zuckerrübe, noch an der Stange hängen. Einige der Zuschauer registrierten das unter dem inzwischen ausgebrochenen Jubel. Wer den Rest auf der Stange entdeckte, ist unbekannt. Jedenfalls wurde weiter geschossen. Dieses Stück holte Heinrich Hartmann aus Niederense mit einem Schuss herunter. Die Oberenser blieben jedoch bei ihrem König. Es wurde gestritten. Wie das Fest an dem Tag weiterging, kann ich nicht berichten. Ich habe nur gehört, dass Josef Langesberg, bekannt als tüchtiger Stimmungsredner, in der Halle eine Rede gehalten hat. Er soll bei dem Tumult in der Halle verkündet haben, dass die Oberenser Schützenhalle abgebrochen und in Niederense wieder aufgebaut würde; die Abbrucharbeiten hätten bereits begonnen. Das Dach der Halle lag zur Nordseite so tief, dass man es mühelos besteigen konnte. Und tatsächlich hatte ein junger Mann schon damit begonnen, die Ziegel abzudecken. Es war keine Ruhe mehr herzustellen. Die Niederenser zogen mit der Musikkapelle Höingen nach Niederense und feierten dort weiter. Damit war das Ende der bisherigen gemeinsamen Schützenbruderschaft von Ober- und Niederense gekommen. In den nachfolgenden Verhandlungen legten die Niederenser Schützen den grössten Wert darauf, die gemeinsame Geschichte herauszustellen. So wollte Niederense keine Neugründung betreiben, sondern eine Aufteilung bzw. Abtrennung in brüderlichem Schützengeist. äusseres Zeichen dafür war die Aufteilung des Vermögens. Abgesehen vom "Streit über die Königswürde" im Jahre 1921 lag aber die räumliche Trennung von Oberense "irgendwie in der Luft". Allein schon durch die stark angewachsene Einwohnerzahl in Niederense war somit auch die Zahl der Schützenbrüder in diesem Ortsteil gegenüber Oberense überwiegend hoch. |
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